Das Nützliche und das Beschämende des Gesetzes

Das Gesetz ist auch eine Belastung, und zwar eine ganz erhebliche. Nicht nur, dass die Befolgung uns Kraft kostet. Noch belastender ist wohl, dass es uns unsere ethische Unvollkommenheit unbarmherzig vor Augen führt: Dass es das Gesetz geben muss, ist ein Armutszeugnis für den Menschen. Es hat insofern etwas Erniedrigendes an sich."

(Morgenandacht in St. Markus, Hamburg-Hoheluft, am 19. Januar 1993 zum Wochenspruch aus Johannes 1,17)


Gibt es Gott oder gibt es ihn nicht?

2. Sonntag nach Epiphanias (15. Januar 2017):

"Auf die eigene Kraft und die eigenen Fähigkeiten zu vertrauen, ist gut und wichtig. Aber das ist eben nicht alles. Gerade Vertreter meiner Generation, die Ende der 60er Jahre gegen alles waren, vor allem gegen jede Art von Institution und Autorität, haben noch lange Zeit einen, wie ich finde, etwas verengten Blick auf die Wirklichkeit gehabt. Aber auch sie, wie viele andere, nehmen doch wieder wahr und erkennen an, dass unser Leben ein großes Geheimnis ist und dass da mehr ist, als wir selbst wissen und denken und zu erkennen vermögen, und dass die Dinge des Lebens eben nicht nur von unserem Tun und Machen abhängen."

(Predigt in St. Markus, Hamburg-Hoheluft, über 2. Mose 33,17b-23 am 17. Januar 1999)


Uns ist „ein anderer Mensch“ geboren

1. Sonntag nach Epiphanias (8. Januar 2017):

"Es ist wohl gut, wenn wir uns das mal ganz bewusst vor Augen führen, dass es so mit Jesus angefangen hat: unter wirklich sehr schwierigen Bedingungen, vielfach unwillkommen, mehr am Rande, von vielen unverstanden und auch angefeindet und körperlich bedroht. Es ist gut, sich das bewusst zu machen. Denn das sind - mehr oder weniger - die Rahmenbedingungen des christlichen Glaubens geblieben. Der christliche Glaube steht grundsätzlich ein bisschen quer zu unserer Welt, zu dem, was gefällt und für wichtig und nützlich gehalten wird, und wird von manchen als lästig, gelegentlich auch als bedrohlich empfunden."

(Predigt in St. Markus, Hamburg-Hoheluft, über Matthäus 4,12-17 am 10. Januar 1999)


Liebe, ein Angebot an alle

Epiphanias (6. Januar 2017):

"Wie unterschiedlich die Traditionen im einzelnen auch sein mögen - für uns ist die gemeinsame zentrale inhaltliche Aussage wichtig: Gottes Liebe zu allen Menschen. Diesen Zuspruch darf jeder Mensch für sich annehmen. Und wo immer Menschen diesen Zuspruch dann auch als Anspruch verstehen und ihn zum Leitfaden der eigenen Lebensführung machen, da beginnt das Reich Gottes unter uns konkrete Gestalt anzunehmen."

(Predigt in St. Markus, Hamburg-Hoheluft, über Johannes 1,15-18 am 9. Januar 2005)


Mut, guter Wille, Gottvertrauen

Neujahr (1. Januar 2017): 

"Es könnte heute aber eine wunderbare Herausforderung sein, sich z. B. dafür zu engagieren, dass die unterschiedlichsten Menschen verschiedener Völker und Volksgruppen und religiöser Herkunft friedlich miteinander leben, ggf. auch in enger Nachbarschaft. Das ist heute eine globale Herausforderung und ein sicherlich ziemlich anstrengendes und wohl auch nervenaufreibendes Unterfangen. Aber das weltweite friedliche Miteinander ist nicht nur eine weihnachtliche Verheißung, sondern auch unserer bleibender biblischer Auftrag.

(Predigt in St. Markus, Hamburg-Hoheluft, am 1. Januar 2006)


Umkehren, stille sein und hoffen?!

Altjahrsabend (31. Dezember 2016): 

"Wer ernsthaft nachdenkt, kann an den Abgrund der Ratlosigkeit geraten. Die Gefahr des inneren Absturzes kann dann heraufziehen. Gerade in diesem Jahr haben wir hinsichtlich der Weltprobleme Ohnmachtsgefühle nicht nur bei anderen erlebt, sondern auch an uns selbst gespürt.“

(Predigt in St. Markus, Hamburg-Hoheluft, über Jesaja 30,15 am 31. Dezember 1992)


Krippe und Kreuz

2. Weihnachtstag (26. Dezember 2016): 

"Es ist wohl gut, auch ein Weihnachtslied mit einem solchen traurigen Unterton dabeizuhaben. Denn manchmal wird uns so ähnlich wie Klepper zumute sein: Wir sehen das ganze Elend der Welt, die Not von Menschen und die menschliche Schuld, und es fällt uns dann schwer, Weihnachtslieder zu singen, die sich fast naiv über die Geburt des Christkindes einfach freuen.

(Predigt in St. Markus, Hamburg-Hoheluft, Singegottesdienst - Neues Gesangbuch, am 26. Dezember 1994)

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