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Friede auf Erden allen Menschen!


Zuspruch und Anspruch

Wenn wir Gott preisen und danken, dann sollen wir dies nicht nur mit Worten tun, sondern mit unserem Leben, mit einem im Konkreten veränderten Leben. Dabei sollen wir uns an Leben und Geist dessen orientieren, von dem her wir das neue Leben empfangen haben. Auch als gute Lutheraner und Paulaner, die wir so gern den Zuspruch an uns betonen, sollen wir den daraus ergehenden Anspruch an uns nicht vergessen. Die Barmherzigkeit Gottes wird unbarmherzig, wenn wir sie als Privileg für uns behalten. Wir sollen nicht nur Leben empfangen, sondern auch Leben schenken und dem Leben dienen. 

(Morgenandacht in St. Markus, Hamburg-Hoheluft, über 1. Petrus 1,3  am 8. April 1997)


Sehen und dennoch glauben

Quasimodogeniti, 1. Sonntag nach Ostern (12. April 2026):

Das mit den Augen Wahrnehmbare ist ambivalent, es ist vieldeutig, es ist auslegungsbedürftig. Dem, was wir mit den Augen wahrnehmen, muss noch der Sinn hinzugefügt werden."

(Predigt in St. Markus, Hamburg-Hoheluft, am 27. April 2003)


Er lebt, weil er liebte

Ostermontag  (2. April 2018):

"Es mag sein, dass wir es den Auferstehungsberichten zu verdanken haben, dass uns das Wirken Jesu überhaupt überliefert worden ist. Aber sie begründen nicht die Bedeutung des Anliegens Jesu. Die Bedeutung Jesu hat ihren Grund darin, dass er die Liebe zum Leben und zum Menschen gelebt hat und dass Menschen in ihrem Herzen darin die Art Gottes erkannt haben und sie zu dem Glauben."

(Predigt in St. Markus, Hamburg-Hoheluft, zum Ostermontag am 17. April 2006)


Gestorben, aber nicht tot

Ostersonntag  (5. April 2026):

"Das Leben ist mehr, als aus dem Mutterleib geboren werden. Und es ist mehr, als ins Grab gelegt zu werden. Leben heißt auch, sich staunend über Anfang und Ende hinausführen lassen, sich in einer größeren Hand bergen lassen, sich fallen und auffangen lassen, sich loslassen und sich neu schenken lassen, sich immer wieder neu gebären lassen, sich leiten lassen, sich gute Worte sagen lassen, sich verzeihen lassen, sich lieben lassen."

(Predigt in St. Markus, Hamburg-Hoheluft, zum Ostersonntag am 16. April 2006)


Überfordert und entlastet 

Karfreitag - 3. April 2026

"Dem Menschen ist eine Last abgenommen. Der Mensch darf Geschöpf sein und darf sich zu seinen Grenzen als Geschöpf bekennen. Er ist damit nicht entmündigt. Er behält seine Würde. Er behält die Freiheit der Entscheidung. Er bleibt verantwortlich für sein Tun. Alle Gebote und Verbote, alle Mahnungen, Warnungen, Drohungen, Verheißungen gelten auch weiterhin. Aber nach jedem Scheitern soll der Mensch immer wieder neu beginnen dürfen.“

(Predigt in St. Markus, Hamburg-Hoheluft, über Karfreitag am 18. April 2003)


"Liebe geht durch den Magen"

Gründonnerstag - 2. April 2026

"Der Liebe Gottes in Jesus Christus geben wir konkrete Gestalt in Brot und Wein. Das ist dann aber noch nicht das Ende der Konkretisierung. Sie setzt sich dann fort in unserem Leben, indem wir leibhaftig liebevoll miteinander umgehen, einander verzeihen, einander helfen, füreinander da sind in Geduld und Nachsicht, in Anerkennung, Respekt, Hilfsbereitschaft, Bereitschaft zur Versöhnung, zum Frieden."

(Predigt in St. Markus, Hamburg-Hoheluft, über Matthäus 26,26,28 am 8. April 2004)


Provokation zum Heil

Palmsonntag (29. März 2026):

"Wie kann aus dem provokanten Einzug Jesu in Jerusalem Heil entstehen? Ich möchte den Einzug Jesu in Jerusalem mit der Verabreichung eines Medikamentes vergleichen. Der Arzt gibt uns ein Medikament, und zwar eines von der Sorte, die den Körper zunächst aufwühlt, die dem Körper durch diese Auseinandersetzung aber hilft, Abwehrkräfte zu entwickeln, d. h. aus sich selbst heraus die Kräfte zu mobilisieren, die den Körper gegen künftige Attacken schützen."

(Predigt in St. Markus, Hamburg-Hoheluft, über Johannes 12,12-19 am 23. März 1997)


Ende des Opferkultes

Judika, 5. Sonntag in der Passionszeit (22. März 2026):

"Mit seinem Opfer ist der Opferkult beendet. Seitdem dürfen wir bezüglich unserer grundsätzlichen Sündhaftigkeit wissen und glauben, dass uns schon vergeben ist, bevor wir überhaupt gesündigt haben. Wir werden sozusagen schon in die Vergebung hinein geboren. Diese Geburt in die Vergebung hinein - oder schon aus der Vergebung heraus - vollziehen wir rituell in der Taufe. Die Taufe nennen wir deswegen auch eine zweite Geburt. Diese zweite - geistliche - Geburt setzt wie die erste - körperliche - Geburt keine eigene Leistung voraus. Sie ist ein Geschenk."

(Predigt in St. Markus, Hamburg-Hoheluft, am 28. März 2004)


Natur und Kultur

Lätare, 4. Sonntag in der Passionszeit (15. März 2026):

"Das Weizenkorn ermöglicht durch seinen biologisch sich vollziehenden Tod das biologische Leben weiterer Weizenkörner. Das ist ein Vorgang der Natur. Der von Jesus bewusst eingegangene Tod dagegen eröffnet - durch seine Sinnhaftigkeit - ein neues Leben im übertragenen Sinne, im geistigen und geistlichen Sinne. Das ist ein Vorgang der Kultur."

(Predigt in St. Markus, Hamburg-Hoheluft, am 30. März 2003)


Die Moral

Okuli, 3. Sonntag in der Passionszeit (8. März 2026):

"Jede Zeit, jede Gesellschaft muss sich neu darauf verständigen, wie sie die Phänomene der menschlichen Natur in menschliche Kultur verwandelt."

(Predigt in St. Markus, Hamburg-Hoheluft, über Epheser 5,1-8a am 7. März 2010)


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